Versorgungsprobleme

Die psychosoziale Versorgung besitzt eine Reihe von schwerwiegenden Versorgungsprob­lemen.

Verschiedene Studien legen nahe, dass nur die Hälfte der seelischen und der psychosomati­schen Erkrankungen richtig erkannt werden. Die andere Hälfte wird übersehen, aus Scham­gründen verheimlicht, als körperliche Erkrankung betrachtet oder als persönliche Auffälligkeit bewertet. Unbehandelt verschlechtern sich jedoch 1/3 dieser Erkrankungen und knapp die Hälfte chronifiziert ohne Veränderung.

Nur die Hälfte der richtig erkannten psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen erhält eine medikamentöse Behandlung, nur ein geringer Teil erhält eine systematische Psy­chotherapie.

Eine kurzfristige psychosomatische oder psychotherapeutische Behandlung bei einem Fach­arzt für Psychosomatische Medizin oder einen Psychologischen Psychotherapeuten ist oft wegen Wartezeiten von 6 Monaten und länger nicht möglich. Auch Fachärzte für Psychiatrie haben Wartezeiten und behandeln aus Kapazitätsgrenzen häufig nur einseitig mit Medika­menten.

Falls eine psychosomatische Krankenhausbehandlung erforderlich ist, kann diese oft auch nicht kurzfristig wegen Wartezeiten von 4 bis zu 8 Monaten und mehr begonnen werden.

Eine Behandlung in einer psychosomatischen Rehabilitationseinrichtung erfordert die Klä­rung einer Kostenzuständigkeit und wird häufig in einer vom Patienten nicht gewünschten Klinik durchgeführt.

Auf diese Weise ergeben sich eine Mangelversorgung, eine Fehlversorgung, eine Chronifizierung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen und daraus folgend er­höhte Kosten durch Krankengeldzahlungen, Produktivitätsausfälle bei Arbeitsunfähigkeiten, Rentenzahlungen, Behandlungskosten ungeeigneter Behandlungen und erhöhte Behand­lungskosten bei Chronifizierung und wiederholten Dekompensationen.