Depressive Störungen

Eine Depression (lat. Deprimere, d. h. herunterdrücken) ist kein vorübergehendes Stim­mungstief, sondern eine behandlungsbedürftige seelische Erkrankung.

Als Depression bezeichnet man eine tiefe Veränderung von Fühlen, Denken und Wollen, von Stimmung und Unternehmungslust zum Negativen hin über einen längeren Zeitraum, oft von körperlichen Beschwerden begleitet.

Depressionen sind sehr weit verbreitet und im Zunehmen begriffen. In Deutschland erkrankt rund jeder fünfte einmal im Leben an einer Depression.

Die Depression ist keine Stimmungsschwankung und keine Trauerreaktion, sondern eine Gemütskrankheit, die ärztlich/therapeutisch behandelt werden muss. Geschieht das rechzeitig und konsequent, ist sie recht gut behandelbar.

Eine Depression liegt dann vor, wenn mehrere folgender Beschwerden auftreten:

1. starke innere Unruhe

2. Schlafstörungen

3. gedrückte Stimmung

4. Interessensverlust und Freundlosigkeit

5. Antriebsmangel bzw. erhöhte Ermüdbarkeit

6. Trostlosigkeit

7. vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen

8. Konzentrationsstörungen

9. Schuldgefühle und Selbstanklagen

10. Unfähigkeit, Entschlüsse zu fassen

11. Selbstmordgedanken oder –handlungen

12. verminderter Appetit, verminderte sexuelle Lust

13. gestörte Farbwahrnehmung (alles grau in grau)

14. unbestimmtes, schlechtes körperliches Befinden.

Nicht immer werden die Symptome richtig gedeutet, wodurch oft zu spät oder gar nicht be­handelt wird. Immerhin nehmen sich in Deutschland pro Jahr rund 1200 Menschen das Le­ben, wobei die meisten Suizide im Rahmen von depressiven Erkrankungen erfolgen.

Heutzutage flüchten zahlreiche Menschen – ohne es zu wissen – mittels Aktivismus vor einer Depression. Sie stürzen sich in Arbeit, treiben exzessiv Sport, wechseln ständig den Partner, aber sie haben keine Lebensfreude. Auf diese Art und Weise kann eine Depression jahre­lang maskiert werden.

Depressionen führen zu Problemen im zwischenmenschlichen Bereich und auch in Beruf und Haushalt. Es kommt zum Rückzug aus sozialen Kontakten, Beziehungsabbrüchen, Iso­lation und zum aktiven Rückzug aus der Umgebung.

Hinzu kommen Probleme im hygienischen Bereich wie Vernachlässigung von Kleidung und Körperpflege. Weiterhin bestehen ein Unvermögen, sich zu alltäglichen Aufgaben aufzuraf­fen, lange Anlaufzeiten und unendliche Mühsal (doppelter Einsatz mit halbem Ertrag).

Im beruflichen Bereich treten zuerst Probleme bei neuen, ungewöhnlichen oder schwierigen Aufgaben, bei Mehrfachbelastungen, Arbeit unter Zeitdruck oder bei rasch wechselnden Anforderungen auf. Dadurch kommt es zum Leistungsabfall, der oft Unverständnis, Verärge­rungen, demütigende Aussprachen bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes nach sich ziehen kann.

Es gibt viele mögliche Ursachen für eine Depression.

Auslöser sind oft seelische Belastungen, Todesfälle, Trennungen, Auszug der Kinder und berufliche Veränderungen. Zum Teil werden hierbei belastende Situationen aus der Kindheit oder auch frühere traumatische Erlebnisse wiedererweckt. Auch Erschöpfungszustände durch Überarbeitung können in eine Depression münden, ebenso Unterforderung, wie bei Arbeitslosigkeit und Ruheständlern.

Depressionen können auch körperliche Ursachen haben, z.B. Hirnerkrankungen bei älteren Menschen, Schlaganfälle, schweren Herzerkrankungen, Stoffwechselstörungen im Zentral­nervensystem aber auch im übrigen Körper wie z.B. bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mel­litus).

Auch hormonelle Umstellungen bei Frauen, wie nach einer Geburt oder in den Wechseljah­ren können Depressionen auslösen.

Es gibt auch eine genetische Veranlagung zu Depressionen.

Die Depressionen werden nach Schweregraden eingeteilt. Es gibt leichte, mittelschwere und schwere Depressionen. 

Es gibt auch Menschen, die unter Depressionen leiden und deutliche Stimmungszyklen (Phasen gehobener und gedrückter Stimmung) haben. Dies nennt man manisch-depressive Störung.

Die Depression ist kein Schicksal, mit dem man sich abfinden muss. Die Erkrankung lässt sich heutzutage gut behandeln.

Die Behandlung erfolgt in zwei Stufen:

Das Ziel der akuten Behandlung (Stufe eins) ist die Bekämpfung der Symptome der Depres­sion, solange, bis es den Betroffenen wieder gut geht.

Die Erhaltungstherapie (Stufe zwei, eine Fortführung der Behandlung für einige Zeit, auch wenn es den Betroffenen bereits wieder gut geht) ist wichtig, da diese Behandlung eine wei­tere depressive Phase verhindert.

Die Behandlung erfolgt im Wesentlichen durch Medikamente und/oder durch Psychothera­pie:

Psychotherapie (griechisch: psyche, d.h. Seele) bedeutet Krankenbehandlung mit psycholo­gischen Mitteln, im Wesentlichen mit den Mitteln des beeinflussenden Gesprächs, wobei der Körper mehr oder weniger stark miteinbezogen wird. Die psychotherapeutische Behandlung wird in Form von regelmäßigen Terminen (z. B. einmal wöchentlich) über einen Zeitraum von mehreren Wochen, Monaten, manchmal auch Jahren durchgeführt. Sie erfolgt im Einzel­kontakt mit dem Therapeuten oder in der Gruppe, und soll dazu führen, dass der Patient sein eigener Spezialist wird im Umgang mit seiner Erkrankung, im guten Umgang mit sich selbst, auch mit anderen und mit seiner Umwelt. Erste Wirkungen treten nach einigen Wochen auf.

Die medikamentöse Behandlung erfolgt mit Antidepressiva. Dies sind Medikamente, die bei schwereren Depressionen, aber auch bei Ängsten, Zwängen und Essstörungen eingesetzt werden. Sie machen nicht süchtig. Sie wirken erst nach 10 bis 14 Tagen, manchmal sogar erst nach vier bis sechs Wochen.

Bei leichten depressiven Episoden ist Psychotherapie die erste Wahl. Bei mittelschwerer Depression wird von der gleichen Wertigkeit von antidepressiven Medikamenten und Psy­chotherapie im akuten Stadium ausgegangen. Bei schwerer Depression wird empfohlen, zusätzlich zur in diesem Fall nötigen Medikamentenbehandlung auch psychotherapeutische Maßnahmen einzuleiten. Auch ist im Anschluss an eine erfolgreich abgeschlossene Medi­kamentenbehandlung eine Psychotherapie die beste Rückfallvorbeugung. Bei manchen De­pressionsarten ist die Kombinationsbehandlung aus Medikamentenbehandlung und geeig­neter Psychotherapie vorrangig.

Eine Depression kann nicht mit Geduld und Aufopferung von Seiten der Familie und der Freunde, sondern nur mit der geeigneten Therapie durch Fachleute behandelt werden. Die Angehörigen sollten jedoch in die Therapie mit einbezogen werden. Sie müssen lernen, mit der Erkrankung, die von ihnen einerseits sehr viel Verständnis, andererseits aber auch die Bereitschaft fordert, den Betroffenen nicht zu viel zu schonen, vernünftig umzugehen, was nicht leicht ist. Sie sollen helfen, aber durchaus auch noch ihr eigenes Leben leben. Es kann für Angehörige informativ und entlastend sein, eine Angehörigengruppe zu besuchen.

Was kann ich selbst tun?

  • wichtig ist, mit anderen über die Depression reden, sich nicht davor scheuen; hier kann auch eine Selbsthilfegruppe (bestehend aus anderen Betroffenen) hilfreich sein
  • Soziale Kontakte pflegen, auch wenn ich mich scheinbar dazu erst gar nicht aufraffen kann
  • mich immer wieder aktiv fragen, was tut mir jetzt gut, und dies dann auch durchführen
  • Hilfen von anderen annehmen
  • auf den eigenen Körper achten, ihn hegen und pflegen, und ihn nicht für vollkommen selbstverständlich halten
  • immer wieder im Alltag inne halten und mehrmals (ca. 10 mal) tief durchatmen, dabei achtsam spüren, wie der Atem durch den Körper strömt
  • nicht streng und fordernd, sondern geduldiger mit mir umgehen
  • mit mir selbst Schritt halten, nicht erwarten alles tun zu können wie ohne Depression, ev. ist ein Zeitplan, den ich auch einhalten kann, sinnvoll
  • ich muss verstehen lernen, dass es einige Zeit dauerte bis die Depression ausbrach und es daher auch Zeit braucht, bis die Depression wieder verschwunden ist (einige Monate mindestens)
  • mich regelmäßig bewegen, wenn möglich etwas Sport treiben
  • bei Selbsttötungsgedanken darüber mit einer Vertrauensperson sprechen. Nicht das Sprechen, sondern das Schweigen darüber erhöht die Gefahr!
  • daran denken, dass negatives Denken Teil der Depression ist und dieses abklingt, wenn die Depression verschwindet
  • Alkohol und Drogen meiden, da dies eine Depression verschlimmert und auch verursa­chen kann
  • mich immer wieder dazu einladen, die uns allen eigene Neigung, die Dinge in eine be­stimmte Richtung biegen zu wollen, mehr loszulassen
  • wenn es geht, mal über mich lächeln, auch aktiv ein leichtes Lächeln aufbauen, indem ich wirklich willentlich meine Mundwinkel ganz leicht nur anhebe (ich stelle mir z. B. vor, an den Mundwinkeln gäbe es kleine „Hosenträger“), das Lächeln sich ausbreiten lasse und spüre, wie es sich im Gesicht (und evtl. im ganzen Körper) anfühlt.